Drei Innovationspreise  2011 verliehen
Preisträger und Finalisten des Innovationspreises 2011.

Entwicklungen für Fahrdynamik, Klangklarheit und Pflanzenwachstum

Drei Innovationspreise 2011 verliehen

Text: Robert Schmidt

Mit der feierlichen Verleihung der Innovationspreise 2011 auf dem Campus Griebnitzsee der Uni Potsdam klang ein vielseitiger Wettbewerbsjahrgang aus. 150 Bewerbungen, acht Nominierungen, drei Preisträger und ein Sonderpreis: so die Bilanz. Von A wie Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH bis Z der ZIM Plant Technology GmbH reichte die Liste der Finalisten und von gigantischen Gasturbinen bis zu winzig kleinen Netzhautpartikeln des Auges das Themenspektrum.

Drei Mal hieß es im Hörsaal 5 des Uni-Campus „Innovationspreisträger 2011 ist ... “. Die glücklichen sind die Easy Listen und die ZIM Plant Technology GmbH sowie IAV. Drei höchst verschiedene Innovationen.

Nomen est Omen bei Easy Listen und der ZIM Plant Technology. Bei beiden tragen Firma und Verfahren jeweils gleiche Namen. Easy Listen – Hören was geht, steht für die Optimierung audiovisueller Medien für Senioren und Hörgeschädigte. Durch Kombination von Studio- und Soundtechnologie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der Audiologie entstand ein Verfahren, das Stimmen und Musik optimiert. Hörgeschädigte können audiovisuelle Medien ohne zusätzliche Technik wieder uneingeschränkt nutzen. Dabei wird nicht die Lautstärke bis zur Schmerzgrenze erhöht, sondern Charakteristik und Dynamik werden moduliert – Hörgeschädigte und Normalhörende können wieder gemeinsam fernsehen.

Die innovative magnetische, pflanzenbasierte ZIM-Druckmesssonde ist ein kleines Messgerät mit „Sendungsbewusstsein“. Sie ist nichtinvasiv, muss also nicht in Pflanzen eingesetzt werden, und misst den Turgor, sozusagen den Pflanzenblutdruck. Der verändert sich, wenn Wasser fehlt. Via Internet sendet die Sonde ihre Ergebnisse an den Anwender, und der kann – egal wo er online ist – übers Internet den Wasserhahn aufdrehen. Das bringt höchste Effizienz beim Umgang mit Süßwasser, optimiert das Nutzpflanzenwachstum und vermeidet die kritische Versalzung von Böden.

DrivePac EV 80 – die ausgezeichnete Entwicklung von IAV klingt schon nach Dynamik, Beschleunigung und Kompaktbauweise. Doch in und hinter der hoch integrativen, skalierbaren elektrischen Antriebseinheit für E-Fahrzeuge steckt viel mehr. Zum ersten Mal wurde ein reiner E-Antrieb konstruiert, der unkompliziert und platzsparend vom Kleinstwagen bis zur Kompaktlasse, in Hybrid oder reines Elektroauto eingebaut werden kann. Ein neues Zweiganggetriebe bringt mehr Zugkraft und Beschleunigung, höhere Energieeffizienz und weniger Verbrauch, größere Reichweite und kleinere Batterien.

Zu den Finalisten gehörte auch die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH mit ihrer Kleinsatellitenplattform TET-1. Der standardisierte und miniaturisierte Träger für Geräte, mit denen Satelliten ihre Missionen erfüllen, sichert auch Basisfunkionen wie Energieversorgung. Solche Plattformen wurden vor TET-1 für jede Satellitenmission speziell entwickelt. Vom Satelliten zur Sonne, zur SUNBOX vom Finalisten GeoClimaDesign AG. Der modulare thermische Speicher ist für den Hausgebrauch, findet durch die neue, innovative Konstruktion auch dort Platz, wo bisher für einen schweren und voluminösen Edelstahl- oder Kunststoffspeicher keiner war. Und SUNBOX kann eine Person ganz alleine in Einzelteilen transportieren und aufbauen. Das dürfte bei den 500 MW-Brennern für Flugstromvergaser vom Finalisten SIEMENS keinem gelingen – sie wiegen 6,3 Tonnen. Um sie zuverlässig in Serie fertigen und für den Innovationspreis nominiert werden zu können, musste selbst der Gigant SIEMENS eine Verfahrensinnovation realisieren. Die hilft nun den Gasturbinenbauern, bei bis zu 300 Einzelteilen nie den Überblick zu verlieren. Um Trübungen des Blicks zu beheben, hat die Roland Consult Stasche & Finger GmbH mit ihrer nominierten Innovation zwei Verfahren der Netzhautdiagnostik kombiniert. Mit RETImap zur Messung von Topografie und Funktion der Retina (Netzhaut) werden Blutgefäße und Strukturveränderungen der Netzhaut mit bildgebenden Systemen erfasst und abgebildet. Auf diese Abbilder werden nun auch die Ergebnisse von Funktionsmessungen durch Licht¬stimulation gelegt. Punktgenaue Diagnostik und Therapie werden möglich. Der Augenarzt sieht, wie die Netzhaut aussieht und was einzelne Bereiche leisten können oder nicht. Ums Sehen und ums Gesehen werden geht es auch bei der Innovation des Finalisten Semperlux AG. Das LED-Transfermodul ist eine lichttechnische Kopie der Gasaufsatzleuchte – kurz eine strom- und emissionssparende Alternative für die beliebten rund 44.000 bis zu 60 Jahre alten Berliner Gaslaternen. Die mit LEDs zu versehen, klingt logisch, haben sie doch eine lange Lebensdauer von 60.000 Betriebsstunden und eine Leistungsaufnahme von 20 statt von bis zu 900 Watt wie die Gasklassiker, aber es klingt leichter als es ist. Damit das Ganze funktioniert, so aussieht und anheimelnd strahlt, wie's die Berliner lieben, bedurfte es eines immensen Entwicklungsaufwandes.

Für den SOZIALHELDEN e. V. gab es den Sonderpreis für Sozialinnovationen 2011. Die Innovation: „Soziale crowdsourced Open- Data-Karte für rollstuhlgerechte Orte“. Eine Online-Plattform wie Wikipedia, die von Nutzern selbst gefüllt und weiter entwickelt wird. Sie vergeben farbige Bewertungen, aber auch verbale Empfehlungen für Barrierefreiheit öffentlicher Orte von der Bushaltestelle bis zur Behörde. So entsteht Stück für Stück ein virtueller Atlas von Rollstuhlfahrern für Rollstuhlfahrer.

Mit der Preisverleihung ist der Jahrgang 2011 Erfolgsgeschichte und der 2012er steht bevor. Starke Bewerber um die nächsten Innovationspreise werden ab Ende April 2012 wieder gesucht.

www.innovationspreis.de