Coworking in Berlin
Cluboffice verändert die Arbeits- und Meetingkultur
Coworking entwickelt sich zu einem neuen Trend in der modernen Arbeitswelt. In Berlin kann man diese neue Form der Zusammenarbeit gut ausprobieren. Denn hier sind Coworking-Spaces bereits eine ernsthafte Alternative zum grauen Büro. Wie das nicht nur bei Freelancern klappt, sondern auch für Unternehmen funktioniert, zeigen die vier Gründer von Cluboffice.
Im Foyer der ehemaligen Sparkassenzentrale in Wilmersdorf steht ein Billardtisch, komplett mit Queues und Kugeln. Jeder Besucher kommt an ihm vorbei, wenn man zu Cluboffice will. „Das ist ein erstes Signal an unsere Besucher, dass sich hier viel verändert hat“, sagt Robert Pfadt, einer der vier Gründer von Cluboffice. Der Aufzug strahlt noch die typische Sparkassenatmosphäre aus. Aber sobald der Besucher eine der vielen Etagen von Cluboffice betritt, steht er in einer anderen Welt. Denn hinter dem heutigen Nutzer der Immobilie verbirgt sich ein Konzept, das die Arbeitswelt von morgen vorwegnimmt. Mit einer Mischung aus Büroräumen, Konferenzzentrum, Gastronomie und einer inspirierenden Community will Cluboffice die Philosophie des Coworking auf ein neues Level anheben.
Die Idee des Coworking stammt aus den USA. Nach der Dotcom-Blase im Jahr 2000 begannen vor allem Freiberufler aus dem Umfeld der neuen Medien und der Kreativ-Branche, sich in informellen Bürogemeinschaften zu organisieren. Diese „Büros ohne Chef“ waren meist in Lofts mit guter Internetanbindung angesiedelt. Was als bunte Mischung aus unterschiedlichen Menschen und Berufen begann, entwickelt sich seit 2005 zu einer echten Alternative für das Arbeiten außerhalb der engen Vorgaben eines großen Unternehmens. „Viele Menschen suchen heute eine Arbeitsform, die sie nicht in ein starres Korsett von Vorschriften und Zwängen einbindet“, meint Robert Pfadt: „Sie wollen selbstständig ihre eigenen Ideen verwirklichen und neue Lösungen entwickeln. Dabei wollen sie aber nicht auf die Kommunikation und die Gemeinschaft mit anderen Gleichgesinnten verzichten. Das ist der ursprüngliche Ansatz des Coworking.“
Heute gibt es weltweit zahlreiche Projekte, die dieses Modell des Coworking unterschiedlich organisieren. Neben kleineren Anbietern, die meist 20 bis 50 Schreibtische für die „digitalen Nomaden“ der modernen Arbeitswelt bereithalten, gibt es Dienstleister wie Cluboffice, die an ihrem Standort in Berlin bis zu 400 Plätze in unterschiedlichen Konfigurationen mit Anbindung an besondere Konferenzräume anbieten. Die Zielgruppe Coworking-Nutzer besteht üblicherweise aus Freiberuflern und Start-up-Unternehmern. Bei Cluboffice sitzen neben Start-up-Gründern und Freiberuflern aber auch Mitarbeiter von Unternehmen. Große internationale Firmen entdecken Coworking als interessante Alternative zu ihrem normalen Büroalltag. Bei Cluboffice probieren sie diese neue Form der Zusammenarbeit aus.
In enger Kooperation mit Absolventen des Hasso-Plattner-Instituts aus Potsdam, die als Berater fungieren, entwickelte Cluboffice innovative Konferenzraum-Techniken. Dabei geht es nicht um neueste 3D-Beamer, sondern um Konferenzformen, die kreative Ergebnisse ermöglichen. „Für uns liegt die Coworking-Philosophie nicht mehr im einfachen „nebeneinander Arbeiten“, sondern im gemeinsamen Erreichen von Ergebnissen.“ Dieser Unterschied ist für Pfadt sehr wichtig: „Wir wollen das Thema Coworking weiterentwickeln und es gleichzeitig in andere Bereiche in unserem Haus übertragen. Mit den neugestalteten Event- und Konferenzbereichen bieten wir spezielle Lösungen für innovatives und ergebnisorientiertes Zusammenarbeiten an, die das Coworking sinnvoll ergänzen.“ Derzeit wird eine ganze Etage in dem großen Gebäude entsprechend umgebaut und für die neue Meeting-Kultur eingerichtet. Ein Fachbegriff fällt bei Robert Pfadt häufig, wenn die Unterhaltung auf das Thema Zusammenarbeit von verschiedenen Unternehmenskulturen und Branchen in einem Konferenzraum kommt: Barcamp. Was für viele zunächst nach einer offenen Runde ohne Zielvorgabe aussieht, in der jeder seine Meinung sagen darf, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als Ablösung der altbekannten Meeting-Kultur aus dem letzten Jahrhundert. Bei einem Barcamp wird zielorientiert gearbeitet und moderiert. Neu ist, dass zu Beginn des Barcamps nicht das Thema, sondern nur das Ziel formuliert wird. Die Teilnehmer haben nun die Aufgabe, dieses Ziel zu erreichen. Der Weg ist dabei nicht vorgeschrieben. „Wer nur starre Konferenzen mit klaren Ergebnisvorgaben kennt, muss sich auf einem Barcamp erst mal umgewöhnen. Keine Hierarchien, keine Agenda, sondern nur ein Ergebnis, das zuerst in Diskussionen angerissen wird und dann in kleinen Arbeitsgruppen verfeinert wird. Das ist für viele Unternehmen neu“, so Pfadt. „Heute kommen große Unternehmen zu uns, um Coworking, unsere besonderen Räume und unser Konferenzkonzept auszuprobieren.“ Vielen Teilnehmern fällt schnell auf, dass sie mit dieser Meeting-Kultur mehr Kreativität freisetzen und bessere Ergebnisse erreichen können. Auch schätzen viele das Umfeld im Cluboffice. Neben einem Restaurant, in dem die Teilnehmer von einem Koch kulinarisch betreut werden, gibt es auch Rückzugsmöglichkeiten zum Ausruhen, ein Kaminzimmer für Gespräche in kleiner Runde und sogar die Möglichkeit, in einer Suite zu übernachten. „Am Schluss eines Barcamps ist für alle Teilnehmer nicht nur ein konkretes Ergebnis vorhanden, sondern es hat eine echte Wissensteilung stattgefunden“, stellt Pfadt fest. „Gemeinsames Erreichen eines Ergebnisses in einem inspirierenden Umfeld, dazu noch die Vernetzung der Teilnehmer untereinander und das Wohlfühlen in unseren Räumen, das verstehen wir bei Cluboffice unter Coworking.“ Robert Pfadt ist sich sicher, dass bald mehr Unternehmen das Thema Coworking und das neue Konferenzkonzept im Berliner Cluboffice kennenlernen wollen. www.club-office.com
Ausgabe April 2012 /
Juni 2012
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